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Religion

Mittwoch, 24. Januar 2007

Legalisierung der Polygamie in Italien?

Der Gründer der Union der moslemischen Gemeinschaften in Italien (UCOII), Mohammed Baha el-Din Ghrewati, sorgt mit seiner Forderung nach einer Legalisierung der Polygamie für Aufsehen. In einem Interview meinte der aus Syrien stammende Arzt, dass die Polygamie auch in Italien die Probleme "tausender, vielleicht sogar von Millionen Menschen" lösen würde.
Die Polygamie, so Ghrewati, sei ein Schutz für viele Frauen. "Wenn ein verheirateter Mann eine Frau haben will und mit ihr ins Bett geht, muss er sie behalten. Der Mann geht zu einem Notar und teilt sein Vermögen unter den Frauen auf". Der Verein, den er vertritt, ist wegen seiner fundamentalistischen Positionen in Italien bekannt.
Das Interview sorgte unter gemäßigten Islam-Organisationen in Italien für Proteste. "Die Polygamie ist keineswegs ein religiöses oder soziales Bedürfnis der in Italien lebenden Moslems", hieß es in einem Schreiben des in Italien aktiven islamischen Rates.
Die Bischöfe hatten sich vor wenigen Tagen gegen jede rechtliche Duldung der Vielehe - etwa bei Muslimen - gewandt. Die damit verbundenen Probleme dürften weder im Namen der Religionsfreiheit gerechtfertigt noch aus einem „falsch verstandenen Multikulturalismus“ heraus kleingeredet werden, sagte der Sekretär der Bischofskonferenz, Bischof Giuseppe Betori. Er äußerte sich mit anderen Religionsvertretern bei einer Anhörung der verfassungsrechtlichen Kommission des Parlaments. Italien bereitet derzeit eine Neufassung seiner Religionsgesetze vor. Die aktuell gültigen Paragrafen sind seit 1929 und 1930 in Kraft.
Polygamie widerspreche radikal "dem Modell von Ehe und Familie in unserer kulturellen Tradition" und stelle eine Verletzung der Würde der Frau dar, sagte Betori. Für weitere religiöse Eheschließungen bereits verheirateter Personen dürfe es keine „faktische Anerkennung“ durch den Staat geben.
Südtirol Online

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