[>>]

Bank und Börsen

Montag, 28. Januar 2008

Kerviel, ein Opfer der Medien und der Bank?

Die Société Générale hält in einer fünf Seiten langen Mitteilung fest, sie wäre Opfer eines Betrugs geworden. Sollte sich dies nachweisen lassen, wären die Verantwortlichen der Bank fein raus.
Die Anwälte Kerviels halten dagegen, es liege noch nicht einmal ein Fehlverhalten ihres Mandaten vor, ganz zu schweigen von Betrug. Elisabeth Meyer und Christian Charrière-Bournazel erklärten gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, der Société-Générale-Chef Daniel Bouton beschuldige ihren Mandanten zu Unrecht, und habe ihn so "den Hunden zum Fraß vorgeworfen". Sie verurteilen auch die "mediale Lynchjustiz". Die Medien hätten fälschlicherweise behauptet, Kerviel wäre auf der Flucht gewesen und hätten unter diesem Vorwand Fotos von ihm veröffentlicht, obwohl er zu keiner Zeit flüchtig gewesen sei.
Letzte Woche, nachdem die Entwicklung an den Börsen auf einen Crash deuteten, so die Anwälte Kerviels, habe die Société Générale hektische Verkäufe getätigt und deshalb die Verluste von fast fünf Milliarden Euro mit provoziert. Der Société Générale werfen sie zudem vor, mit der Aufdeckung des Skandals die Öffentlichkeit von viel höheren Verlusten der vergangenen Monate ablenken zu wollen, beispielsweise aus der US-Immobilienkrise.
AFP

Sonntag, 27. Januar 2008

Jérôme Kerviel, der Zauberlehrling

In den Medien kursieren skurrile Vermutungen zu den Ereignissen in der Société Générale. Am glaubhaftesten ist noch dieser"Jérôme Kerviel glaubte an steigende Aktienmärkte. Kein Händler kann aber einfach Aktien kaufen und warten, dass es nach oben geht. Schon gar nicht Aktien im Wert von 48 Mrd. €, welche am Montag zur Begrenzung des Schadens auf den Markt gelangten. Deshalb spekulierte Kerviel mit Optionen, die es ermöglichen, mit einem Bruchteil des Kapitaleinsatzes gleichermassen an Kursgewinnen zu partizipieren.
Kerviel verkaufte dazu Put-Optionen, das heisst, er ging die Verpflichtung gegenüber Käufern ein, Aktien zu einem abgemachten Preis und zu einem späteren Zeitpunkt zu kaufen, egal, wie tief die Börse fällt. Als Entschädigung für sein Risiko erhält Kerviel eine Prämie. Steigt die Börse, verfällt die Option ungenutzt und die kassierte Prämie ist Kerviels Gewinn. Das ging 2007 über weite Strecken gut. Kerviel agierte wie eine Versicherungsgesellschaft: Er verkaufte Brandschutz-Versicherungen und erhielt für sein eingegangenes Risiko eine Prämie. Auch Versicherungen verdienen schliesslich Geld, weil es selten brennt."

[ weiter ]

Samstag, 26. Januar 2008

Jérôme Kerviel und das Brodeln in der Gerüchteküche

Die Pariser Händlerkreise haben sich in brodelnde Gerüchteküchen verwandelt. Alles dreht sich um Kerviel und die Futures, die er gekauft haben soll. Er soll sich vor allem auf die deutsch-schweizerische Börse Eurex und deren steigende Kurse verlassen haben. Insbesondere der DAX soll es ihm angetan haben. Deshalb geht man davon aus, dass Kerviel Anfang des Jahres bei einem Dax-Stand von etwa 8000 Punkten in Dax Futures eingestiegen war. Weil er auf steigende Kurse setzte, lautete die Formel: Für jeden Punkt, den der Dax an einem bestimmten Datum über 8000 läge, würde die Börse dem Konto der Société Générale am Ende des Tages 25 Euro pro Future gutschreiben.
Für jeden Punkt darunter, würde die Börse das Konto der Société Générale mit 25 Euro/Punkt belasten. Da sich der DAX nach unten entwickelte, verlor Kerviel, respektive seine Bank.
Bis zum 18. Januar verlor der DAX rund 600 Punkte. Auf diese Weise, so wird gesagt, verlor die Bank durch Kerviel 2 Milliarden Euro. Der restliche Verlust wird auf dieselbe Weise zustande gekommen sein, an einer anderen Börse über einen anderen Finanzdienstleister.
Heute soll die Polizei die Türen von Kerviels Haus aufgebrochen, das Haus minutiös durchsucht und Dokumente beschlagnahmt haben.
Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, forderte, die internen Kontrollen der Banken müssten verschärft werden. Aus diesem und anderen "Betrugsfällen in großem Stil" müsse die "Lehre gezogen werden", dass eine Verschärfung der internen Kontrollen eine "absolute Notwendigkeit" sei.
Das klingt nach Ratlosigkeit....
AFP

Freitag, 25. Januar 2008

Ein willkommener Sündenbock

"Dieser Händler scheint mir nur ein Sündenbock zu sein", sagte gemäss FTD ein Branchenkenner.
Die französische Tageszeitung "Libération" fragte in einem Kommentar: "Ein Schuldiger wurde gefunden, doch wer sind die Verantwortlichen?"
Viele Fachleute sind jedoch der Meinung, dass eine solche Summe nicht einer Einzelperson angelastet werden kann und stellen daher das Sicherheits- und Kontrollsystem in Frage, während Philippe Citerne, Vizechef der Société Générale, von einem "nicht zu erklärenden Akt der Böswilligkeit" redet.
Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy trat auf den Plan. Er redete von einem "riesigen internen Betrug" beim zweitgrößten Geldhaus des Landes und betonte, dieser stelle die Zuverlässigkeit und solide Verfassung der Branche nicht in Frage.

Jérôme Kerviel - ein Opfer?

Der arme Kerviel wäre nie aufgeflogen, wenn die Börsen am vergangenen Montag nicht schlapp gemacht hätten, schreibt die Presse. Kerviels Sünden wurden am vergangenen Freitagabend von einem seiner Kollegen entdeckt, weil er die Risiko-Obergrenze "überschritten" hatte. Am Samstag wird er zum Investmentbanking-Chef der Société Géneralé zitiert und bis in die Nacht befragt. Als am Montag die Kurse weltweit gefallen sind und man über die Bücher ging, entdeckte man, dass Kerviel, der für solche Fälle durch Futures das Verlustrisiko der Bank begrenzen musste und dies bis Ende 2007 auch klaglos getan, ab Anfang 2008 auf steigende Kurse für Futures - und damit Milliarden in den Sand gesetzt hat.
Egal, welche Erklärungen man für Kerviels Spekulationen heranzieht, ich glaube immer noch nicht, dass er innerhalb von drei Woche mutterseelenallein 4,9 Mia Euro hat verpuffen lassen können...

Ein Einzeltäter bei der Société Générale?

Ich wage zu bezweifeln, dass Jérôme Kerviel im Alleingang 4,9 Milliarden Euro verzockt hat. Kervil hat nur 5.000 Euro monatlich verdient, das bedeutet, dass er unter Kontrolle seiner Vorgesetzten stand und über wenig Kompetenzen verfügte. Zwar wird jetzt ins Feld geführt, er wäre ein Computergenie gewesen, habe über intime Kontrollmechanismen der Bank Bescheid gewusst - und diese ausgehebelt.
Er soll seit dem Jahr 2000 bei der Bank gearbeitet, im Jahr 2005 zum Delta One Team gewechselt und während der ganzen Jahre nicht ein Mal Boni beantragt haben. Jetzt soll er Amok gelaufen sein - unter den wachsamen Augen seiner Vorgesetzten. Da stellt sich einem ein großes Fragezeichen in den Weg.
Ob die 4,9 Milliarden Euro - eine Summe, die sich vorzustellen, schwierig bis unmöglich ist - allein auf Kerviels Konto gehen? Oder ob man da einfach alles, was während der letzten Jahre von wem auch immer veruntreut worden ist, addiert hat? Zweifel über Zweifel...

Donnerstag, 24. Januar 2008

Wo ist Jérôme Kerviel?

Kervil ist der Mann, dem es angeblich gelungen sein soll, im Alleingang und innert kürzester Zeit, 4,9 Milliarden Euro zu verspielen. Er hat auf Futures gesetzt - und auf steigende Kurse dafür. Trotzdem halte ich es für unmöglich, dass Kervil die Société Générale im Alleingang über den Tisch gezogen hat.
Zur Zeit kursieren Gerüchte, wonach Kervil am Beinah-Crash der europäischen Börsen Schuld sein soll. Auch da melde ich Zweifel an.
Kervil ist ein Betrüger, doch in der BloggerSzene geniesst er bereits hohes Ansehen. Es wurde, so die Gerüchteküche, auch schon eine "Jérôme Kerviel Annerkennungs-Gesellschaft" ins Leben gerufen. Von wem? - Von Facebook Usern natürlich, wem sonst sollte es sonst einfallen.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Zum Gedenkfeier-Boykott...
von Henryk M. Broder: "Lieber Stephan, ich sitze...
anaximander - 28. Jan, 14:16
Magna Charta des Furzes
Julian Weber hat den Roman "Fleckenteufel" von Heinz...
anaximander - 28. Jan, 13:09
CVP will keine Familienpartei...
Die CVP will modern werden vor allem in den Städten....
anaximander - 1. Jul, 20:38
Kerviel und die Folgen...
lesen Sie hier weiter
anaximander - 28. Jan, 17:43
Interim macht
ab sofort wieder Pause. SideEffect ist zurück
anaximander - 28. Jan, 14:26

Web Counter-Modul


Suche

 

Status

Online seit 1036 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 28. Jan, 14:16

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur f�r neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB

Archiv

November 2009
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30