Interview zur Rationierung in der Medizin
in der Medizin ein. Es ist typisch Zeltner - das ist Couchepins Mann im Bundesamt für Gesundheit mit den papierenen Vogelgrippe-Masken, die nachweislich Null Nutzen bringen - dass er zu beschwichtigen und die Resultate der Berner Studie abzuwerten versucht. Im Interview tut er so, als kämen Rationierungen nur in Pflegeheimen vor. Dass dem nicht so ist, beweist die Berner Studie.
Herr Zeltner, eine Studie der Uni Bern beweist: Über 80-jährige Herzinfarktpatienten werden schlechter behandelt als Junge. Es findet eine versteckte Rationierung statt.Thomas Zeltner: Unsere eigenen Studien zeigen, dass es auch hierzulande tatsächlich implizite Rationierungen gibt. Es erstaunt nicht, dass diese gerade in Pflegesituationen von chronisch und psychisch Kranken zu finden sind. Dazu muss man aber auch sagen: Diese impliziten Rationierungen sind im internationalen Quervergleich selten. Wir verfügen in der Schweiz, abgesehen von vereinzelter Überversorgung, über einen sehr guten Standard. Bei der Pflege gibt es jedoch in einigen Domänen eine Unterversorgung, mutmasslich auch aufgrund von Sparmassnahmen. Tritt dies ein, sind die Kantone gefordert, sie zu untersuchen. Diese impliziten Rationierungen kommen vor und müssen angegangen werden.
Die Studie der Berner Forscher zeigt aber auch auf, dass die Rationierungsmassnahmen letztlich zu Mehrkosten führen.Zeltner: In der Transplantationsmedizin stellte sich dieselbe Frage: Ist Alter ein Kriterium, um keine Transplantationen mehr durchzuführen? Diese Frage wurde auch im Parlament diskutiert – und die Antwort ist klipp und klar: Das Alter ist in der Schweiz kein Ausschlusskriterium. Entscheidend sind die medizinische Dringlichkeit, der medizinische Nutzen, die Wartezeit und die Chancengleichheit. Kommt es im Fall von Herzpatienten zu impliziten Diskriminierungen von älteren Patienten, müssen wir dies korrigieren.
Es ist typisch für den Direktor des Schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit, dass er die Frage nach den Mehrkosten, die durch Rationierung entstehen, nicht beantwortet.
Interview von Othmar von Matt und David Sieber
Herr Zeltner, eine Studie der Uni Bern beweist: Über 80-jährige Herzinfarktpatienten werden schlechter behandelt als Junge. Es findet eine versteckte Rationierung statt.Thomas Zeltner: Unsere eigenen Studien zeigen, dass es auch hierzulande tatsächlich implizite Rationierungen gibt. Es erstaunt nicht, dass diese gerade in Pflegesituationen von chronisch und psychisch Kranken zu finden sind. Dazu muss man aber auch sagen: Diese impliziten Rationierungen sind im internationalen Quervergleich selten. Wir verfügen in der Schweiz, abgesehen von vereinzelter Überversorgung, über einen sehr guten Standard. Bei der Pflege gibt es jedoch in einigen Domänen eine Unterversorgung, mutmasslich auch aufgrund von Sparmassnahmen. Tritt dies ein, sind die Kantone gefordert, sie zu untersuchen. Diese impliziten Rationierungen kommen vor und müssen angegangen werden.
Die Studie der Berner Forscher zeigt aber auch auf, dass die Rationierungsmassnahmen letztlich zu Mehrkosten führen.Zeltner: In der Transplantationsmedizin stellte sich dieselbe Frage: Ist Alter ein Kriterium, um keine Transplantationen mehr durchzuführen? Diese Frage wurde auch im Parlament diskutiert – und die Antwort ist klipp und klar: Das Alter ist in der Schweiz kein Ausschlusskriterium. Entscheidend sind die medizinische Dringlichkeit, der medizinische Nutzen, die Wartezeit und die Chancengleichheit. Kommt es im Fall von Herzpatienten zu impliziten Diskriminierungen von älteren Patienten, müssen wir dies korrigieren.
Es ist typisch für den Direktor des Schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit, dass er die Frage nach den Mehrkosten, die durch Rationierung entstehen, nicht beantwortet.
Interview von Othmar von Matt und David Sieber
anaximander - 27. Jan, 09:37

