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Jérôme Kerviel und das Brodeln in der Gerüchteküche

Die Pariser Händlerkreise haben sich in brodelnde Gerüchteküchen verwandelt. Alles dreht sich um Kerviel und die Futures, die er gekauft haben soll. Er soll sich vor allem auf die deutsch-schweizerische Börse Eurex und deren steigende Kurse verlassen haben. Insbesondere der DAX soll es ihm angetan haben. Deshalb geht man davon aus, dass Kerviel Anfang des Jahres bei einem Dax-Stand von etwa 8000 Punkten in Dax Futures eingestiegen war. Weil er auf steigende Kurse setzte, lautete die Formel: Für jeden Punkt, den der Dax an einem bestimmten Datum über 8000 läge, würde die Börse dem Konto der Société Générale am Ende des Tages 25 Euro pro Future gutschreiben.
Für jeden Punkt darunter, würde die Börse das Konto der Société Générale mit 25 Euro/Punkt belasten. Da sich der DAX nach unten entwickelte, verlor Kerviel, respektive seine Bank.
Bis zum 18. Januar verlor der DAX rund 600 Punkte. Auf diese Weise, so wird gesagt, verlor die Bank durch Kerviel 2 Milliarden Euro. Der restliche Verlust wird auf dieselbe Weise zustande gekommen sein, an einer anderen Börse über einen anderen Finanzdienstleister.
Heute soll die Polizei die Türen von Kerviels Haus aufgebrochen, das Haus minutiös durchsucht und Dokumente beschlagnahmt haben.
Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, forderte, die internen Kontrollen der Banken müssten verschärft werden. Aus diesem und anderen "Betrugsfällen in großem Stil" müsse die "Lehre gezogen werden", dass eine Verschärfung der internen Kontrollen eine "absolute Notwendigkeit" sei.
Das klingt nach Ratlosigkeit....
AFP
tinius - 27. Jan, 06:53

Spekulationen erfordern schnelle Handlungsabläufe, also kann eine Genehmigungshierarchie jedes einzelnen Trades keine Lösung sein. Das denkbare "Vieraugenprinzip" birgt die Gefahr, daß dann eben zwei Betrugsdelikte begehen (und so eventuell den Schaden sogar verdoppeln). Bliebe also nur, entweder Banken ganz aus diesem Geschäftsfeld herauszuhalten - was aber nicht durchsetzbar wäre, handelt es sich doch um eine der modernen Haupteinnahmequellen - oder Spekulation am Aktien -, Devisen - und Rohstoffmarkt ganz zu unterbinden, was aber das komplette System des Kapitalismus mehr oder minder ad absurdum führte (durchaus die von mir präferierte Option) und damit - schon wegen der Internationalität - undenkbar ist. Alles andere kann nur im Nachhinein passieren, etwa wöchentliche Revision aller Geschäftsvorgänge. Dies müßte zwangsläufig einen ungeheuren Wasserkopf an Kontrolleuren erzeugen, der zu finanzieren wäre und mithin die Gewinne verkleinern müßte. Zudem kann man niemals sicher sein, daß nicht auch Revisoren in Betrügereien verstrickt sind, wie man es in etlichen Fällen von "Vorstandsstraftaten" hat feststellen müssen, wo Prüfungsgesellschaften Gefälligkeitsberichte schrieben (oder : beschreibt man es in günstiger Auslegung, schlicht Fehlentwicklungen schlicht übersehen haben....). Mir kommt da das Wort "Risikogesellschaft" in den Sinn. Man sollte bemüht sein, das Beste an Kontrolle aufzubauen, aber man muß damit leben, daß es regelmäßig nicht ausreichen wird (aber halt öfter als wenn nicht kontrolliert würde).

anaximander - 27. Jan, 09:35

Gewiss, Schnelligkeit

ist entscheidend, aber nicht für Futures. Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber zu meiner Zeit, das ist ein paar Jahre her, wurden Trader in Gruppen ein- und jeder Gruppe ein Gruppenleiter zugeteilt. Mit letzterem wurde täglich besprochen, was man wie und wo gemacht, bzw was für den nächsten Tag vorgesehen war. Darum fällt es mir sehr schwer, an einen Einzeltäter zu glauben.
Die Spekulationen unterbinden ist, wie du schreibst, unmöglich. Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass der menschliche Faktor immer das grösste Risiko beinhaltet.

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