Sonntag, 27. Januar 2008

Rückt Hessen nach links?

Die SPD feiert, die CDU hofft, die FDP strahlt, die Grünen und die LiNKE bangen. Wie die Wahl auch ausgehen wird, Koch hat einen Denkzettel erhalten: Er hat die Wirtschaft vernachlässigt, die Bildung und die Sorgen der Arbeitnehmer um ihre Arbeitsplätze unterschätzt. Letzteres hat absurderweise dazu geführt, dass die Wähler der SPD den Vorzug gegeben haben. - Warum absurd? - Ganz einfach, eine Ypsilanti an der Spitze des Bundeslandes Hessen wird die Investoren vertreiben und wo die Investoren ausbleiben, fehlt es an Arbeitsplätzen.
Wie die Wahlen tatsächlich ausgegangen sind, werden wir wohl erst morgen erfahren, obwohl die NZZ ihr Urteil bereits um 21.12 Uhr gefällt hat.

"Angst. Antisemitismus in Polen"

Fear_Jan-T Dass die Buchbesprechung ausgerechnet heute publiziert wird, kommt nicht von Ungefähr. Heute ist Holocaust-Gedenktag. Mit seinem Buch deckt Jan T. Gross einen der grössten Skandale Polens nach dem Krieg auf. In Polen wurden nach Kriegsende 1500 Juden getötet. "Der Täter erzählt ungerührt, als habe er ein Stück Vieh zerlegt. »Ich habe einen Juden drei Mal mit dem Stein auf die Brust, das rechte Bein und den Kopf getroffen, dann ging ich weg. Ich möchte betonen, dass das Blut von dem Juden auf meine Kleidung spritzte. Als ich mir die Hose gesäubert hatte, sah ich, dass sie einen anderen Juden an den Beinen und Händen rausschleppten wie ein Kalb. (...) Sie schlugen den Juden erst mit Stöcken, dann mit Eisenrohren. Am Anfang rührte sich der Jude etwas und schrie, aber sie schlugen ihn auf den Mund, und er hörte auf zu schreien. Der erste Jude, den ich getötet habe, schrie bei mir nicht.« An diesem Tag starben 36 Juden in der südöstlichen polnischen Stadt Kielce. Das Grauen ereignete sich in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, man schrieb den 4. Juli 1946. Die Juden wurden nicht von Deutschen gelyncht. Sie starben durch die Hand von Polen.
Die Passage stammt aus Polens neuem Beststeller, dem Buch »Angst« (»Angst. Antisemitismus in Polen nach dem Krieg. Geschichte eines moralischen Niedergangs«, Krakau 2008) des polnischen Historikers und Soziologen Jan Tomasz Gross, der seit den sechziger Jahren in den USA lebt und dort in Princeton Geschichte doziert. Die ersten 25000 Exemplare waren binnen einer Woche verkauft. Und die Reaktionen auf das Buch stehen dem Verkaufserfolg in nichts nach. Als »Polen- und Judenhasser« hat man den 61-Jährigen bezeichnet, als Nestbeschmutzer diffamiert. Denn mit den Anschuldigungen, die Gross gegen die Polen erhebt, trifft er ihren empfindlichsten Punkt: Er rüttelt an dem über Jahrhunderte gepflegten Opfermythos, er zerstört das Bild von den Polen als edlen Widerstandskämpfern. Und er nimmt die polnische Gesellschaft kollektiv in die Verantwortung für das, was mit den polnischen Juden nach dem 8. Mai 1945 geschah. Die antisemitischen Exzesse seien keine Erscheinung am Rande der polnischen Gesellschaft gewesen, behauptet Gross. Sie fanden offen statt."

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Jérôme Kerviel, der Zauberlehrling

In den Medien kursieren skurrile Vermutungen zu den Ereignissen in der Société Générale. Am glaubhaftesten ist noch dieser"Jérôme Kerviel glaubte an steigende Aktienmärkte. Kein Händler kann aber einfach Aktien kaufen und warten, dass es nach oben geht. Schon gar nicht Aktien im Wert von 48 Mrd. €, welche am Montag zur Begrenzung des Schadens auf den Markt gelangten. Deshalb spekulierte Kerviel mit Optionen, die es ermöglichen, mit einem Bruchteil des Kapitaleinsatzes gleichermassen an Kursgewinnen zu partizipieren.
Kerviel verkaufte dazu Put-Optionen, das heisst, er ging die Verpflichtung gegenüber Käufern ein, Aktien zu einem abgemachten Preis und zu einem späteren Zeitpunkt zu kaufen, egal, wie tief die Börse fällt. Als Entschädigung für sein Risiko erhält Kerviel eine Prämie. Steigt die Börse, verfällt die Option ungenutzt und die kassierte Prämie ist Kerviels Gewinn. Das ging 2007 über weite Strecken gut. Kerviel agierte wie eine Versicherungsgesellschaft: Er verkaufte Brandschutz-Versicherungen und erhielt für sein eingegangenes Risiko eine Prämie. Auch Versicherungen verdienen schliesslich Geld, weil es selten brennt."

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Die Immigranten-Versicherung

Sollte es eine wirtschaftliche Flaute geben, warnt die SVP, wird die Zahl der arbeitslosen Ausländer stark ansteigen, und verlangt vom Bundesrat zum ersten, die Zuwanderung zu beschränken, sobald die Arbeitslosenquote der Ausländer die 5-Prozent-Schwelle übersteigt und zum zweiten, eine "Immigranten"-Versicherung zu schaffen.
Was auf den ersten Blick etwas seltsam anmutet, entpuppt sich auf den zweiten als eine durchaus berechtigte Forderung, vor allem, wenn man sich mit den von der "Bertelsmann-Stiftung für eine Zukunftsfähige Gesellschaft" publizierten (Download .pdf) Zahlen auseinandersetzt.

Interview zur Rationierung in der Medizin

in der Medizin ein. Es ist typisch Zeltner - das ist Couchepins Mann im Bundesamt für Gesundheit mit den papierenen Vogelgrippe-Masken, die nachweislich Null Nutzen bringen - dass er zu beschwichtigen und die Resultate der Berner Studie abzuwerten versucht. Im Interview tut er so, als kämen Rationierungen nur in Pflegeheimen vor. Dass dem nicht so ist, beweist die Berner Studie.
Herr Zeltner, eine Studie der Uni Bern beweist: Über 80-jährige Herzinfarktpatienten werden schlechter behandelt als Junge. Es findet eine versteckte Rationierung statt.Thomas Zeltner: Unsere eigenen Studien zeigen, dass es auch hierzulande tatsächlich implizite Rationierungen gibt. Es erstaunt nicht, dass diese gerade in Pflegesituationen von chronisch und psychisch Kranken zu finden sind. Dazu muss man aber auch sagen: Diese impliziten Rationierungen sind im internationalen Quervergleich selten. Wir verfügen in der Schweiz, abgesehen von vereinzelter Überversorgung, über einen sehr guten Standard. Bei der Pflege gibt es jedoch in einigen Domänen eine Unterversorgung, mutmasslich auch aufgrund von Sparmassnahmen. Tritt dies ein, sind die Kantone gefordert, sie zu untersuchen. Diese impliziten Rationierungen kommen vor und müssen angegangen werden.

Die Studie der Berner Forscher zeigt aber auch auf, dass die Rationierungsmassnahmen letztlich zu Mehrkosten führen.Zeltner: In der Transplantationsmedizin stellte sich dieselbe Frage: Ist Alter ein Kriterium, um keine Transplantationen mehr durchzuführen? Diese Frage wurde auch im Parlament diskutiert – und die Antwort ist klipp und klar: Das Alter ist in der Schweiz kein Ausschlusskriterium. Entscheidend sind die medizinische Dringlichkeit, der medizinische Nutzen, die Wartezeit und die Chancengleichheit. Kommt es im Fall von Herzpatienten zu impliziten Diskriminierungen von älteren Patienten, müssen wir dies korrigieren.

Es ist typisch für den Direktor des Schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit, dass er die Frage nach den Mehrkosten, die durch Rationierung entstehen, nicht beantwortet.
Interview von Othmar von Matt und David Sieber

Rationierung in der Schweizer Medizin

Vorsicht ist geboten. Sollten Sie als Schweizer je in die Lage kommen, einen Herzschrittmacher zu benötigen, lassen Sie sich diesen besser im arbeitsfähigen Alter einbauen, als abzuwarten, bis er unumgänglich ist. Denn in der Schweiz herrscht, was Medizin anbelangt, bereits Rationierung.

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