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Freitag, 25. Januar 2008

Ferrero-Waldners Fettnapf

Benita Ferrero-Waldner weiß bestens, wie Israel umgehen muss, mit einer so netten Hamas, die gern Schießen, Morden und Raketenabfeuern spielt: sachte über den Kopf streichen und in 68erManier flüstern: Weiter so, meine Lieben, nur weiter so, es ist alles gut, wir halten den Kopf für euch gerne hin.

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Am Samstag Anti-WEF-Demo in Bern

Los, los, geht alle hin und demonstriert gegen das WEF, gegen die Globalisierung, gegen das Klima, gegen - ja, wirklich: Hauptsache ihr seid gegen wen auch immer. Ach ja, und friedlich müsst ihr sein, wenn ihr morgen um 14.00 Uhr vom Unteren Waisenhausplatz durch die Innenstadt zum Rathausplatz und wieder zurück marschiert.
Quelle

Jens Jessen, die Opfer und die Täter

aus der Sicht Götz Wiedenroths
karikatur_wuestenroth

Ein willkommener Sündenbock

"Dieser Händler scheint mir nur ein Sündenbock zu sein", sagte gemäss FTD ein Branchenkenner.
Die französische Tageszeitung "Libération" fragte in einem Kommentar: "Ein Schuldiger wurde gefunden, doch wer sind die Verantwortlichen?"
Viele Fachleute sind jedoch der Meinung, dass eine solche Summe nicht einer Einzelperson angelastet werden kann und stellen daher das Sicherheits- und Kontrollsystem in Frage, während Philippe Citerne, Vizechef der Société Générale, von einem "nicht zu erklärenden Akt der Böswilligkeit" redet.
Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy trat auf den Plan. Er redete von einem "riesigen internen Betrug" beim zweitgrößten Geldhaus des Landes und betonte, dieser stelle die Zuverlässigkeit und solide Verfassung der Branche nicht in Frage.

Hatte Huntington doch Recht?

Gewiss, schreibt Fouad Ajami in der New York Times.
"...Rather than Westernizing their societies, Islamic lands had developed a powerful consensus in favor of Islamizing modernity. There was no “universal civilization,” Huntington had observed; this was only the pretense of what he called “Davos culture,” consisting of a thin layer of technocrats and academics and businessmen who gather annually at that watering hole of the global elite in Switzerland...."

Phrasendrescher Al Gore und Bono am WEF

Sie nutzten ihren Auftritt, Al Gore und Bono, sie droschen die immer gleichen Phrasen in einer Lautstärke, die den Zuhöhrern das Zuhören verleidete.
Gore erklärte am Weltwirtschaftsforum zum Thema Klimawandel und Armut, es bleibe nur noch wenig Zeit, und es brauche weltweit koordinierte Anstrengungen, um die Welt vor der «grössten Katastrophe, die die menschliche Zivilisation je erfahren hat», zu bewahren. Bono, seit Jahren im Kampf gegen Hunger und extreme Armut engagiert, redete gestern vor allem den großen Industriestaaten ins Gewissen, die ihr vor bald drei Jahren selbst deklariertes Ziel, sich in Afrika stärker zu engagieren, verfehlt hätten: «Das ist ein Skandal!»
Konkretes folgte diesen "Appellen" nicht. Weder Bono noch Al Gore verließen den Boden der Rhetorik: Das zeigte sich besonders drastisch, als Al Gore die Einführung einer globalen Abgabe auf Treibhausgase verlangte und meinte, damit ließen sich alle mit dem Klimawandel verbundenen Probleme auf einen Schlag lösen, wenn denn nur für die Entwicklungsländer ein Ausgleichsfonds geschaffen werde. Selbst die Armut lasse sich damit besiegen, so Gore.
Das Publikum wähnte sich im falschen Film. Gore, der als US-Vizepräsident 1997 das Kyoto-Protokoll mitgestaltet hatte, wollte davon schließlich schon im Präsidentschaftswahlkampf 1999 nichts mehr wissen. Und heute verlangt er nun Dinge, die auf der globalen Agenda nicht einmal mittelfristig themafähig sind.

Jérôme Kerviel - ein Opfer?

Der arme Kerviel wäre nie aufgeflogen, wenn die Börsen am vergangenen Montag nicht schlapp gemacht hätten, schreibt die Presse. Kerviels Sünden wurden am vergangenen Freitagabend von einem seiner Kollegen entdeckt, weil er die Risiko-Obergrenze "überschritten" hatte. Am Samstag wird er zum Investmentbanking-Chef der Société Géneralé zitiert und bis in die Nacht befragt. Als am Montag die Kurse weltweit gefallen sind und man über die Bücher ging, entdeckte man, dass Kerviel, der für solche Fälle durch Futures das Verlustrisiko der Bank begrenzen musste und dies bis Ende 2007 auch klaglos getan, ab Anfang 2008 auf steigende Kurse für Futures - und damit Milliarden in den Sand gesetzt hat.
Egal, welche Erklärungen man für Kerviels Spekulationen heranzieht, ich glaube immer noch nicht, dass er innerhalb von drei Woche mutterseelenallein 4,9 Mia Euro hat verpuffen lassen können...

Tod im Namen des Türkentums

Günther Seufert, noch ganz geschockt von den rechtsextremen Mordbuben, die Orhan Pamuk und andere, ihnen nicht genehme Menschen haben töten wollen, stellt die Frage nach der Identität der Türkei: "Ist die Türkei der Kassationsgerichtshof, der erst vor zwei Tagen entschieden hat, dass jeder Türke, der sich in seiner Ehre verletzt fühlt, den Nobelpreisträger Pamuk auf Schadenersatz verklagen kann? Oder ist die Türkei das Kulturministerium, welches gestern bekanntgab, den Auftritt als Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit Orhan Pamuk eröffnen zu wollen? Stehen ehemalige Generäle, die für politische Morde verantwortlich sein sollen und junge Menschen auf die Hinrichtung von Verrätern einschwören, für das Land oder der Istanbuler Staatsanwalt, der die Operation gegen die Bande leitet?"

Ein Einzeltäter bei der Société Générale?

Ich wage zu bezweifeln, dass Jérôme Kerviel im Alleingang 4,9 Milliarden Euro verzockt hat. Kervil hat nur 5.000 Euro monatlich verdient, das bedeutet, dass er unter Kontrolle seiner Vorgesetzten stand und über wenig Kompetenzen verfügte. Zwar wird jetzt ins Feld geführt, er wäre ein Computergenie gewesen, habe über intime Kontrollmechanismen der Bank Bescheid gewusst - und diese ausgehebelt.
Er soll seit dem Jahr 2000 bei der Bank gearbeitet, im Jahr 2005 zum Delta One Team gewechselt und während der ganzen Jahre nicht ein Mal Boni beantragt haben. Jetzt soll er Amok gelaufen sein - unter den wachsamen Augen seiner Vorgesetzten. Da stellt sich einem ein großes Fragezeichen in den Weg.
Ob die 4,9 Milliarden Euro - eine Summe, die sich vorzustellen, schwierig bis unmöglich ist - allein auf Kerviels Konto gehen? Oder ob man da einfach alles, was während der letzten Jahre von wem auch immer veruntreut worden ist, addiert hat? Zweifel über Zweifel...

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